Nachdem wir uns in Teil 1/2 unsere Blogreihe damit beschäftigt haben, welches Gebiss das richtige für dein Pferd ist, schauen wir uns nun die verschiedenen Gebissarten beim Pferd genauer an. Denn: Nicht jedes Gebiss wirkt gleich und nicht jedes Pferd mag das gleiche Material oder dieselbe Form im Maul.
Wir zeigen dir, wie einfach und doppelt gebrochene Gebisse wirken, wann eine Stange sinnvoll ist und warum unser Lock-up-System das Reiterleben (und das deines Pferdes!) nachhaltig verbessern kann. Los geht’s!
Unser Lock-up-System – Schluss mit dem Nussknacker!
Bevor wir auf die einzelnen Gebissarten eingehen, müssen wir dir unbedingt unser Lock-up-System vorstellen. Warum? Weil es einfach genial ist!
Das Lock-up-System kommt bei einfach oder doppelt gebrochenen Gebissen zum Einsatz und hat einen entscheidenden Vorteil: Es verhindert den sogenannten Nussknacker-Effekt.
Durch eine kleine Zunge im Gelenk kann das Gebiss nicht komplett umknicken. Ab einem bestimmten Winkel wird es zu einer anatomisch geformten Stange, das sorgt für mehr Stabilität im Pferdemaul und ein deutlich angenehmeres Tragegefühl. Gerade für sensible Pferde oder Pferde mit Maulproblemen eine echte Wohltat. Und für uns Reiter und Reiterinnen: mehr Vertrauen in der Anlehnung.

Gebrochene Gebisse – flexibel, bewährt und sensibel
Gebrochene Gebisse zählen zu den beliebtesten Gebissarten beim Pferd und das aus gutem Grund. Durch ihre beweglichen Gelenke passen sie sich gut an das Pferdemaul an und ermöglichen eine differenzierte Zügeleinwirkung. Aber: Nicht jedes gebrochene Gebiss wirkt gleich! Wir zeigen dir, worin sich einfach und doppelt gebrochene Gebisse unterscheiden und welches Modell für welches Pferd geeignet ist.

Einfach gebrochenes Gebiss
Das einfach gebrochene Gebiss gehört zu den Klassikern unter den Trensengebissen. Es wirkt hauptsächlich über die Zungenränder auf den Unterkiefer und die Zunge.
Was viele nicht wissen: Bei herkömmlichen Modellen sind die beiden Schenkel oft unterschiedlich lang, was zu einer ungleichmäßigen Druckverteilung führt. Unser Tipp: Wenn du ein solches Gebiss nutzt, drehe es regelmäßig um eine gleichmäßigere Wirkung zu erzielen.
Anatomisch geformte Mundstücke oder Modelle mit Lock-up-System verringern zudem den unangenehmen Nussknacker-Effekt und bieten deinem Pferd mehr Komfort.

Doppelt gebrochenes Gebiss
Ein doppelt gebrochenes Gebiss besitzt ein Mittelstück, das für eine besonders gleichmäßige Druckverteilung sorgt. Es wirkt großflächiger als ein einfach gebrochenes Gebiss und ist dadurch besonders angenehm für Pferde mit empfindlicher Zunge.
Das macht es zum Allrounder in allen Reitdisziplinen: ob Dressur, Springen oder Gelände. Sensible Pferde danken es dir mit entspannterem Kauen und besserer Anlehnung.
Stangengebisse – klare Linie, klare Wirkung
Stangengebisse wirken ganz anders als gebrochene Gebisse und eignen sich nicht für jedes Pferd. Sie geben eine klare, unverrückbare Verbindung zwischen Hand und Maul. Das kann bei manchen Pferden Wunder wirken, bei anderen aber zu Missverständnissen führen.
Grundsätzlich gilt: Stangengebisse sind nicht geeignet für Pferde, die sich schwer biegen oder stellen lassen. Wendungen solltest du mit solchen Gebissen vor allem über Schenkel- und Gewichtshilfen reiten. Wenn du aber mit beiden Händen gleichmäßig, feinfühlig und ruhig reiten kannst, kann ein Stangengebiss eine sehr klare Verbindung schaffen, besonders in der höheren Dressurarbeit oder bei ausgebildeten Pferden.

Stangengebiss mit gerader Stange
Eine gerade Stange übt gleichmäßigen Druck auf die gesamte Zunge aus. Sie eignet sich gut für Pferde, die dazu neigen, sich „auf die Hand zu legen“ oder sehr stark zu werden. Die direkte Einwirkung hilft, die Anlehnung zu verbessern – vorausgesetzt, die Reiterhand ist ruhig und gleichmäßig.

Stangengebiss mit Zungenfreiheit
Dieses Gebiss hat eine leichte Wölbung oder einen Bogen in der Mitte, der die Zungenmitte entlastet. Das ist ideal für Pferde mit viel „Fleisch im Maul“ oder solche, die auf Zungendruck besonders empfindlich reagieren. Wenn dein Pferd oft mit der Zunge spielt, sie herausstreckt oder das Gebiss nicht ruhig annimmt, kann eine Zungenbogenstange eine echte Hilfe sein.
Materialien – Sweet Iron vs. Edelstahl im Vergleich
Neben der Form hat auch das Material eines Gebisses großen Einfluss auf Tragekomfort und Wirkung. Doch wie genau entstehen die beiden hauptsächlich verwendeten Materialien eigentlich?
Sweet Iron wird aus robustem Stahl gefertigt, der durch gezieltes Erhitzen und Abkühlen eine charakteristische Oxidationsschicht bildet. Diese sorgt nicht nur für den typischen Geschmack, sondern auch für die markante blau-schwarze Färbung.
Edelstahl-Gebisse hingegen bestehen aus rostfreiem Stahl, der besonders sorgfältig poliert wird. So gleiten sie sanft durchs Pferdemaul und sind gleichzeitig extrem widerstandsfähig. Einige Modelle werden zusätzlich beschichtet oder in speziellen Formen gegossen, um sich noch besser an unterschiedliche Maultypen anzupassen.

Sweet Iron – schmeckt süß, wirkt fein
Sweet Iron ist ein echtes Lieblingsmaterial unter Reitern – und Pferden! Es besteht aus gehärtetem Stahl, der durch eine spezielle Oxidation seine charakteristische blau-schwarze Färbung und den süßlichen Geschmack erhält.
Vorteile von Sweet Iron:
- Fördert die Kautätigkeit
- Verbessert die Gebissakzeptanz
- Unterstützt die feine Hilfengebung
- Besonders beliebt bei Pferden, die Edelstahl nicht mögen
Sweet Iron kommt bei uns in einfach gebrochenen, doppelt gebrochenen und Stangengebissen zum Einsatz – je nachdem, was dein Pferd am liebsten mag. Es eignet sich besonders für Pferde, die ein aktives Maul und ein angenehmes Kaugefühl benötigen.
Edelstahl – robust, neutral und bewährt
Edelstahl ist der Klassiker unter den Gebissmaterialien und das aus gutem Grund. Es ist extrem langlebig, pflegeleicht und geschmacksneutral – ideal für Pferde, die empfindlich auf Material oder Geschmack reagieren.
Vorteile von Edelstahl-Gebissen:
- Besonders robust und formstabil
- Hygienisch & einfach zu reinigen
- Neutral im Geschmack, keine Reizstoffe
- Perfekt für den täglichen Einsatz
Auch für Allergiker ist Edelstahl oft die beste Wahl. Wenn dein Pferd Materialien schnell ablehnt oder du ein langlebiges Gebiss für viele Jahre suchst, bist du mit Edelstahl auf der sicheren Seite.

Fazit: Die Wahl des Gebisses ist Teamarbeit
Ob einfach gebrochen, doppelt gebrochen, mit Zungenfreiheit oder aus Sweet Iron – das richtige Gebiss zu finden, ist Teamwork zwischen dir, deinem Pferd und (wenn nötig) einem erfahrenen Trainer oder Berater.
Unser Tipp: Probieren, beobachten, feinfühlig reiten und auf die Reaktion deines Pferdes achten. Denn das beste Gebiss ist immer das, das deinem Pferd am meisten Vertrauen schenkt.
Du willst noch tiefer ins Thema einsteigen? Dann schau unbedingt auch in Teil 1/2: Welches Gebiss das richtige für mein Pferd ist rein!